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Change-management bei digitalen projekten: menschen erfolgreich mitnehmen und widerstände konstruktiv nutzen

Change-management bei digitalen projekten: menschen erfolgreich mitnehmen und widerstände konstruktiv nutzen

Change-management bei digitalen projekten: menschen erfolgreich mitnehmen und widerstände konstruktiv nutzen

Warum digitale Projekte selten an der Technik scheitern

Die meisten digitalen Projekte in Unternehmen scheitern nicht an der Software, der App oder der neuen Maschine – sie scheitern daran, dass Menschen nicht mitgehen. Studien schwanken, aber je nach Quelle scheitern 60–70 % aller größeren Change-Projekte ganz oder teilweise. In der Praxis sieht das dann so aus:

Das Problem: Viele digitale Projekte werden als IT-Projekt gestartet, aber sind in Wirklichkeit Verhaltensänderungsprojekte. Und jede Verhaltensänderung erzeugt Widerstand – gerade bei erfahrenen Mitarbeitenden, die jahrelang erfolgreich gearbeitet haben.

Die gute Nachricht: Widerstände sind nichts Gefährliches, wenn man sie versteht und systematisch bearbeitet. Richtig genutzt, helfen sie sogar, digitale Projekte besser zu machen.

Typische Widerstände – und was wirklich dahinter steckt

In Workshops höre ich oft Sätze wie:

Auf der Oberfläche klingt das nach sachlichen Einwänden. Dahinter stecken meist vier Grundmotive:

1. Verlustangst

Mit jeder digitalen Veränderung geht ein gefühlter Verlust einher:

Je stärker dieser Verlust empfunden wird, desto stärker der Widerstand – auch wenn sachlich alles Sinn ergibt.

2. Überforderung

Viele Mitarbeitende sind im Tagesgeschäft ohnehin am Limit. Kommt dann „nebenbei“ ein Digitalprojekt, löst das Stress aus. Die Reaktion: Blockade, Verzögerung, Rückzug. Nicht aus Böswilligkeit, sondern als Selbstschutz.

3. Misstrauen

„Digitalisierung“ wird oft mit Schlagworten wie Effizienz, Automatisierung und Transparenz verknüpft. Übersetzt heißt das für viele: „Man sieht jetzt ganz genau, was ich tue – und vielleicht werde ich ersetzt.“ Wenn hinter einem Projekt der Verdacht „versteckter Agenda“ steht, ist Widerstand fast garantiert.

4. Sinnverlust

Wenn Mitarbeitende nicht verstehen, wofür eine digitale Veränderung gut ist – und zwar für das Unternehmen und für sie persönlich – erscheint der Aufwand unnötig. Dann wird „ausgesessen“: Man macht formal mit, aber innerlich nicht.

Wichtig: Widerstand ist ein Signal, kein Störgeräusch. Er zeigt Ihnen, wo Sie genauer hinschauen müssen – in der Kommunikation, in der Planung oder in den Rahmenbedingungen.

Ein pragmatisches Change-Modell für digitale Projekte

Sie brauchen kein 300-Seiten-Change-Handbuch. Für digitale Projekte reicht ein einfaches, aber konsequent gelebtes Modell mit vier Schritten:

1. Verstehen schaffen: Warum ändern wir was?

Bevor Sie über Tools reden, muss klar sein:

Das klingt banal, wird aber in der Praxis oft übersprungen. In vielen Projekten lautet die Begründung: „Wir brauchen ein neues System, weil das alte veraltet ist.“ Das überzeugt niemanden.

2. Beteiligung organisieren: Wer gestaltet mit?

Menschen akzeptieren Veränderungen leichter, an denen sie mitwirken konnten. Das heißt nicht, dass Sie demokratisch über jede Funktion abstimmen. Aber Sie sollten:

Ein Projektteam nur aus IT, Geschäftsführung und Berater ist ein Garant für spätere Akzeptanzprobleme.

3. Kompetenz aufbauen: Können wir das überhaupt?

Akzeptanz entsteht nicht nur im Kopf, sondern in der Hand. Wenn Mitarbeitende das Gefühl haben, die neue Lösung im Griff zu haben, sinkt der Widerstand automatisch. Dazu brauchen Sie:

4. Verankerung sichern: Bleibt das auch?

Die kritische Phase startet nach dem Go-live. Hier entscheidet sich, ob die Organisation in alte Muster zurückfällt. Wichtig sind:

Praxisbeispiel: Einführung eines neuen CRM in einem B2B-Mittelständler

Ein Maschinenbauunternehmen (ca. 250 Mitarbeitende, 35 Vertriebsmitarbeitende im Innen- und Außendienst) wollte ein neues CRM-System einführen. Ausgangssituation:

Der erste Anlauf (gescheitert)

Die IT-Abteilung wählte ein System, richtete es ein und informierte den Vertrieb per E-Mail: „Ab 1. September nutzen wir das neue CRM. Schulungen finden am 20. und 21. August statt.“ Ergebnis nach sechs Monaten:

Neustart mit Fokus auf Change

Beim zweiten Anlauf wurde das Projekt neu aufgesetzt – diesmal ausdrücklich als Vertriebs- und Change-Projekt, nicht als IT-Einführung.

Drei Dinge wurden grundlegend geändert:

Ergebnisse nach neun Monaten

Entscheidend war nicht das System an sich, sondern die Art, wie der Change geführt wurde: mit Sinn, Beteiligung, klaren Regeln und konsequenter Nutzungskontrolle.

Werkzeuge, die in der Praxis funktionieren

Für digitale Projekte empfehle ich ein Set einfacher, aber wirksamer Werkzeuge. Keine Theorie, sondern erprobt in KMU und ETI.

1. Veränderungs-Story auf einer Seite

Bevor Sie irgendetwas einführen, beantworten Sie auf einer DIN-A4-Seite:

Diese Story wird zur Referenz in allen Projektpräsentationen, Meetings und Gesprächen. Konsistenz schafft Vertrauen.

2. Stakeholder-Matrix mit Fokus auf Emotion

Listen Sie alle relevanten Gruppen und Schlüsselpersonen auf und bewerten Sie zwei Dinge:

Für jede wichtige Person oder Gruppe beantworten Sie dann:

Diese Matrix ist Ihr Fahrplan für Kommunikation und Einbindung.

3. Kommunikationsplan im Klartext

In der Praxis reicht oft ein einfacher Plan mit vier Spalten:

Wichtig: Kein PowerPoint-Monolog, sondern Dialog. Planen Sie bewusst Formate ein, in denen Fragen und Kritik geäußert werden dürfen – und ernst genommen werden.

4. „Stop doing“-Liste für Führungskräfte

Digitaler Change scheitert oft daran, dass Führungskräfte zwar Neues einfordern, aber Altes weiter belohnen. Typisches Beispiel: Offiziell ist das neue System Pflicht, in Meetings werden aber weiterhin Zahlen aus persönlichen Excel-Listen diskutiert.

Definieren Sie deshalb als Führungsteam ganz bewusst 3–5 Dinge, die Sie ab sofort nicht mehr tun, z. B.:

Checkliste: Menschen im digitalen Change erfolgreich mitnehmen

Nutzen Sie die folgende Checkliste für Ihr nächstes digitales Projekt. Je mehr Punkte Sie mit „Ja“ beantworten, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Projekt nicht nur technisch, sondern auch menschlich landet.

A. Klarheit und Sinn

B. Beteiligung und Dialog

C. Fähigkeiten und Unterstützung

D. Vorbild und Konsequenz

E. Monitoring und Lernen

Digitale Projekte sind immer auch Kulturprojekte. Sie verändern nicht nur Tools, sondern Denk- und Arbeitsweisen. Wenn Sie Widerstände nicht als Bremse, sondern als Informationsquelle sehen und die Menschen systematisch mitnehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass Ihre digitalen Investitionen sich wirklich auszahlen – in effizienteren Abläufen, besseren Entscheidungen und zufriedeneren Kunden.

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