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Cybersicherheit im unternehmen: praktische maßnahmen über passwörter hinaus für mittelstand und familienbetriebe

Cybersicherheit im unternehmen: praktische maßnahmen über passwörter hinaus für mittelstand und familienbetriebe

Cybersicherheit im unternehmen: praktische maßnahmen über passwörter hinaus für mittelstand und familienbetriebe

Die meisten Geschäftsführer und Inhaber, mit denen ich arbeite, sagen beim Thema IT-Sicherheit sinngemäß: „Wir haben sichere Passwörter, Virenscanner und ein Backup – das passt schon.“

Die ehrliche Antwort: In 2025 reicht das nicht mehr. Schon gar nicht für mittelständische Produktionsbetriebe, technische Dienstleister oder Familienunternehmen mit wertvollem Know-how.

Die Angriffe sind professioneller geworden, die Erpressungssummen höher – und die Einstiegshürden für Cyberkriminelle niedriger. Ransomware-as-a-Service, Phishing-Baukästen und KI-generierte Mails machen es heute auch Hobby-Hackern leicht.

Die gute Nachricht: Sie müssen kein Konzern sein, um ein recht robustes Sicherheitsniveau zu erreichen. Aber Sie brauchen einen systematischen Ansatz – und Maßnahmen, die deutlich weitergehen als „Mitarbeiter sollen starke Passwörter nutzen“.

Warum Mittelstand und Familienbetriebe besonders angreifbar sind

Viele Inhaber denken: „Wir sind zu klein, für uns interessiert sich doch keiner.“ In der Praxis sehe ich das Gegenteil:

Ein typisches Muster in meinen Beratungsprojekten:

Genau diese Kombination macht Sie attraktiv als Ziel – und als „Einstiegspunkt“ in die Lieferkette größerer Unternehmen.

Ein Fall aus einem 80-Mann-Familienbetrieb im Maschinenbau (Mandant von mir, Name geändert):

Keine spektakuläre Hollywood-Hackerattacke. Sondern ein ganz normaler, vermeidbarer Vorfall.

Typische Fehleinschätzungen im Mittelstand

Wenn ich in Workshops die Frage stelle „Wie gut sind Sie auf Cyber-Risiken vorbereitet?“, höre ich häufig:

Die Kernfrage für Sie als Geschäftsführung lautet deshalb nicht „Haben wir eine Firewall?“, sondern: „Welche kritischen Prozesse können im Ernstfall wie lange ausfallen – und was kostet uns das?“

Vom Technik-Fokus zum Risiko-Fokus: Was wirklich zählt

Professionelle Cybersicherheit beginnt nicht mit Tools, sondern mit einer klaren Sicht auf Ihre Risiken. Dafür nutze ich mit KMU oft ein sehr einfaches, aber wirksames Raster mit drei Fragen:

1. Welche Prozesse sind geschäftskritisch?

2. Welche IT-Systeme und Daten hängen daran?

3. Was wäre der Schaden bei einem Ausfall oder Datenabfluss?

Allein diese Übersicht erzeugt meist ein völlig anderes Bewusstsein in Geschäftsführung und Bereichsleitern – und eine deutlich höhere Bereitschaft, in sinnvolle Schutzmaßnahmen zu investieren.

Praktische Maßnahmen: Was Sie über Passwörter hinaus tun sollten

Im Folgenden eine pragmatische Auswahl an Maßnahmen, die sich in vielen Mittelstandsprojekten bewährt haben. Kein theoretischer Idealzustand, sondern ein realistischer „Werkzeugkasten“, mit dem Sie innerhalb von 6–12 Monaten ein deutlich besseres Sicherheitsniveau erreichen.

Identitäten und Zugriffe absichern

Die meisten Angriffe nutzen heute gestohlene Zugangsdaten. Deshalb ist das Thema „Identitäten“ der zentrale Hebel.

Minimal-Set, das jedes Unternehmen (ab ca. 10 Mitarbeitern) etablieren sollte:

Praxis-Tipp aus einem 50-Mann-Betrieb: Die Einführung von MFA an allen kritischen Zugängen hat in Summe ca. 2 IT-Tage gekostet und den Großteil aller „einfachen“ Angriffswege geschlossen – ohne nennenswerte Mehrarbeit für die Nutzer nach der Eingewöhnungsphase.

Backups: Vom „haben wir“ zum „funktioniert garantiert“

Fast jedes Unternehmen behauptet, ein Backup zu haben. Die entscheidende Frage ist: In welchem Zustand sind Sie 48 Stunden nach einem kompletten Ausfall?

Darauf sollten Sie systematisch hinarbeiten:

In einem Kundenprojekt in der Lebensmittelindustrie haben wir den ersten echten Restore-Test gemacht – Ergebnis: Statt der angenommenen 24 Stunden hätte es 96 Stunden gedauert, bis die Kernsysteme wieder gelaufen wären. Erst mit dieser Zahl auf dem Tisch war die Geschäftsführung bereit, in eine bessere Backup-Infrastruktur zu investieren.

Mitarbeiter als Sicherheitsfaktor – nicht nur als Risiko

Über 80 % der erfolgreichen Angriffe starten laut Studien mit menschlichen Fehlern: Phishing-Mails, unbedachte Weitergabe von Informationen, Nutzung privater Geräte.

Der Reflex vieler IT-Verantwortlicher: „Wir brauchen mehr Verbote und Richtlinien.“ Meine Empfehlung: weniger Verbote, mehr verständliche Regeln plus praktische Übung.

Was sich in der Praxis bewährt:

Technische Basis absichern – das Pflichtprogramm

Ohne solide technische Basis laufen alle organisatorischen Maßnahmen ins Leere. Für die meisten KMU reicht ein „vernünftig gemachtes“ Grundniveau aus.

Dazu gehören insbesondere:

Rollen, Verantwortlichkeiten und einfache Governance

Cybersicherheit ist Chefsache – aber keine One-Man-Show des Geschäftsführers. Erfolgreiche Mittelständler regeln das Thema mit klaren Rollen und einfachen Strukturen.

Ein pragmatisches Modell, das ab ca. 30 Mitarbeitern gut funktioniert:

Auch ohne ISO-27001-Zertifizierung können Sie so ein funktionierendes, auditierbares Sicherheits-Management aufbauen – in einer Sprache, die jeder im Unternehmen versteht.

Notfallplan: Was tun, wenn es trotzdem passiert?

Die unangenehme Wahrheit: 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Entscheidend ist deshalb, wie schnell und kontrolliert Sie im Ernstfall reagieren.

Ein Notfallplan für Cybervorfälle sollte – in verständlicher Sprache – mindestens folgende Punkte enthalten:

Ein Mandant von mir (IT-Dienstleister, 25 Mitarbeiter) hatte nach einem Ransomware-Vorfall innerhalb von 48 Stunden wieder 80 % seiner Leistungsfähigkeit erreicht – nicht, weil die Technik perfekter war als anderswo, sondern weil Rollen, Abläufe und Kommunikationswege vorher klar definiert waren.

Checkliste: Wo stehen Sie heute?

Zum Abschluss ein kompakter Selbstcheck für Sie als Geschäftsführung oder Bereichsleiter. Gehen Sie die Punkte ehrlich durch und markieren Sie, wo Sie Handlungsbedarf sehen:

Wenn Sie bei mehreren Punkten ehrlicherweise mit „Nein“ oder „Unsicher“ antworten, haben Sie keinen Grund zur Panik – aber einen klaren Auftrag: Machen Sie Cybersicherheit zu einem Geschäftsführungsthema mit konkreten Zielen, Prioritäten und Maßnahmen.

Sie müssen kein IT-Experte werden. Aber Sie müssen die richtigen Fragen stellen, Verantwortlichkeiten definieren und den Fortschritt regelmäßig überprüfen. Passwörter gehören dabei zur Basis – doch entscheidend für die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens sind die Prozesse, Menschen und Entscheidungen dahinter.

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