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Datengetriebene entscheidungen: wie unternehmen eine leistungsfähige datenbasis aufbauen und silo-strukturen auflösen

Datengetriebene entscheidungen: wie unternehmen eine leistungsfähige datenbasis aufbauen und silo-strukturen auflösen

Datengetriebene entscheidungen: wie unternehmen eine leistungsfähige datenbasis aufbauen und silo-strukturen auflösen

Fast jedes Unternehmen spricht heute von „datengetriebenen Entscheidungen“. In der Praxis erlebe ich aber in Projekten immer wieder dasselbe Muster: schicke Dashboards, teure Tools – und trotzdem werden die wichtigsten Entscheidungen nach Bauchgefühl getroffen. Der Grund ist fast nie ein Mangel an Daten, sondern eine schlechte Datenbasis und fest zementierte Silo-Strukturen.

In diesem Artikel geht es nicht um die nächste BI-Software oder das perfekte Data-Warehouse-Design. Es geht darum, wie Sie mit überschaubarem Aufwand eine belastbare Datenbasis aufbauen, Silos Schritt für Schritt auflösen und Ihre Organisation dahin bringen, Entscheidungen wirklich mit Zahlen zu untermauern.

Warum datengetriebene Entscheidungen in vielen Unternehmen scheitern

Wenn ich Führungskräfte frage, wie zufrieden sie mit ihren Daten sind, höre ich häufig: „Wir haben eigentlich alles – aber irgendwie stimmt nichts zusammen.“ Typische Symptome:

Die Ursache liegt selten in der Technik, sondern in drei grundlegenden Problemen:

1. Keine gemeinsame Daten-Sprache
Wie viele „aktive Kunden“ haben Sie? Eine scheinbar einfache Frage. In der Praxis gibt es oft drei Definitionen:

Solange Sie diese Definitionen nicht klären und vereinheitlichen, wird jedes Meeting zur Glaubensfrage.

2. Datensilos in Fachbereichen
Jeder Bereich baut sich sein eigenes Daten-Universum: Vertriebs-Excel, Marketing-Automation, Buchhaltungssoftware, Service-Tool. Daten werden doppelt gepflegt, unstrukturiert exportiert und nie sauber zusammengeführt. Die Folge: Der Blick aufs Ganze fehlt.

3. Kein klarer „Owner“ für Daten
Daten „gehören“ manchmal der IT, manchmal dem Controlling, manchmal niemandem. Ohne klare Verantwortlichkeit bleibt Datemanagement ein Nebenjob, der gegenüber dem Tagesgeschäft ständig verliert.

Was eine leistungsfähige Datenbasis ausmacht

Bevor Sie über Tools und Architekturen nachdenken, sollten Sie definieren, was für Ihr Unternehmen eine leistungsfähige Datenbasis überhaupt bedeutet. Sie muss nicht perfekt sein, aber sie muss vier Kriterien zuverlässig erfüllen:

Eine praxisnahe Definition aus einem meiner Projekte mit einem B2B-Maschinenbauer (ca. 250 Mitarbeitende) lautete:

„Wir haben für Kunden, Angebote, Aufträge und Service-Fälle eine gemeinsame Datenbasis, die monatlich aktualisiert wird, in der alle wesentlichen Felder vereinheitlicht sind und auf die Vertrieb, Service, Produktion und Controlling über ein Standard-Dashboard zugreifen können.“

Der Punkt ist: Definieren Sie, wofür Sie Daten brauchen – nicht, welche Daten Sie theoretisch alle haben könnten. Starten Sie mit den 5–10 wichtigsten Geschäftsfragen, z. B.:

Ihre Datenbasis ist dann leistungsfähig, wenn sie diese Fragen schnell, zuverlässig und wiederholbar beantworten kann.

Typische Silo-Strukturen erkennen und aufbrechen

Silo-Strukturen sind nicht nur ein IT-Problem, sondern vor allem ein Organisations- und Führungsproblem. Drei typische Varianten begegne ich in Projekten immer wieder:

Fachbereichs-Silos
Jeder Bereich optimiert seine eigenen Kennzahlen, ohne das Gesamtbild im Blick zu haben. Der Vertrieb möchte möglichst viele Abschlüsse, der Service möglichst geringe Kosten, die Produktion hohe Auslastung. Daten werden so erhoben, wie es für den Bereich bequem ist – nicht, wie es für das Unternehmen sinnvoll wäre.

System-Silos
CRM, ERP, Ticketsystem, Excel-Listen – jedes System ist für sich genommen sinnvoll, aber es gibt keine durchgängige Datenkette. Kunden-IDs unterscheiden sich, Artikelnummern sind nicht einheitlich, Status-Codes weichen ab. Daten zu verbinden wird zur Handarbeit.

Macht-Silos
Daten werden bewusst „gehalten“, weil Informationen Macht sind. Vertrieb hält an seinen Excellisten fest, das Controlling an seinen individuellen Auswertungen, die IT an komplexen Strukturen, die nur sie versteht. Transparenz wird als Risiko, nicht als Chance gesehen.

Um diese Silos aufzubrechen, brauchen Sie zwei Dinge:

In einem Projekt mit einer IT-Dienstleistungsfirma (ca. 120 Mitarbeitende) haben wir folgende einfache Regel eingeführt: „Jede Kennzahl, die im Management-Meeting diskutiert wird, muss aus einer gemeinsamen Datenbasis kommen.“ Eigene Excellisten waren weiterhin erlaubt – aber eben nicht für die Steuerung des Unternehmens. Das hat den Druck erhöht, sich auf gemeinsame Definitionen und Quellen zu einigen.

Pragmatischer 6-Schritte-Plan zum Aufbau einer Datenbasis

Statt ein riesiges „Data Lake“-Projekt zu starten (das gern im Sand verläuft), empfehle ich einen pragmatischen, iterativen Ansatz in sechs Schritten:

Schritt 1: Geschäftsfragen definieren
Starten Sie nicht bei den Daten, starten Sie bei den Entscheidungen. Listen Sie gemeinsam mit der Geschäftsleitung und den Bereichsleitern die 5–10 wichtigsten Fragen auf, die Sie innerhalb der nächsten 12 Monate besser beantworten wollen.

Schritt 2: Datenquellen identifizieren
Für jede Frage: Welche Systeme, Dateien oder Prozesse liefern heute relevante Daten? Typische Quellen in KMU:

Hier geht es zunächst nicht um Perfektion, sondern um Transparenz: Wo liegen welche Daten mit welcher Qualität?

Schritt 3: Gemeinsame Stammdaten und Definitionen festlegen
Das ist der unbeliebteste, aber wichtigste Schritt. Sie brauchen ein Minimum an Stammdaten-Governance, z. B. für:

Wählen Sie für den Start 3–5 zentrale Stammdaten-Objekte und definieren Sie:

Schritt 4: Minimum Viable Data Warehouse (MVDW) bauen
Sie brauchen nicht gleich ein großes Data Warehouse. Für viele Mittelständler reicht ein „Minimum Viable Data Warehouse“ – technisch kann das am Anfang sogar eine gut strukturierte SQL-Datenbank oder ein Cloud-Tool sein. Wichtig ist:

In einem Projekt haben wir bspw. mit einem Standard-ETL-Tool (Kosten < 500 € pro Monat) CRM- und ERP-Daten in eine Cloud-Datenbank geladen und mit einem BI-Tool visualisiert. Der technische Aufbau war in 6 Wochen erledigt – der Großteil der Arbeit steckte in Definitionen und Bereinigung.

Schritt 5: Standard-Dashboards und Reports entwickeln
Erst jetzt kommt das Thema „schöne Visualisierung“. Für jede zentrale Geschäftsfrage definieren Sie 1–2 Standard-Sichten:

Vermeiden Sie zu Beginn komplexe Self-Service-Lösungen für alle. Starten Sie lieber mit 3–5 robusten Management-Dashboards, die wirklich genutzt werden.

Schritt 6: Entscheidungsprozesse an Daten koppeln
Daten entfalten ihren Wert erst, wenn sie systematisch in Entscheidungen einfließen. Das heißt konkret:

Stellen Sie in Meetings aktiv die Frage: „Welche Daten stützen diese Entscheidung?“ – und lassen Sie „Gefühl“ als Argument nur gelten, wenn klar ist, dass Datenlage und Zeitfenster (noch) keine Alternative zulassen.

Mini-Case: Mittelständler auf dem Weg zur Datenorganisation

Ein Praxisbeispiel: Ein Familienunternehmen (ca. 180 Mitarbeitende, B2B-Komponentenfertigung) kam mit folgendem Schmerzpunkt auf mich zu: „Wir diskutieren jede Woche über Forecasts, aber unsere Zahlen stimmen nie. Vertrieb sagt +15 %, Controlling sagt +5 %, Produktion bereitet sich auf +20 % vor.“

Ausgangssituation:

Vorgehen in 4 Monaten:

Ergebnis nach 6 Monaten:

Wichtig: Die eingesetzten Tools waren Standardprodukte aus der Cloud, keine individuellen Großprojekte. Der Schlüssel waren klare Definitionen, fokussierte Fragen und die Entkopplung vom „Tool-Fetischismus“.

KPIs und Kontrollpunkte: Woran Sie Fortschritte messen

Wenn Sie Ihre Organisation datengetriebener machen wollen, brauchen Sie auch hier belastbare Messgrößen. Drei Ebenen haben sich in der Praxis bewährt:

1. Datenqualität

2. Nutzung

3. Business-Impact

Legen Sie für 3–5 dieser Kennzahlen konkrete Zielwerte für die nächsten 6–12 Monate fest und überprüfen Sie monatlich, ob Sie auf Kurs sind.

Praktische Checklisten für den Start in den nächsten 90 Tagen

Damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt, hier ein konkreter 90-Tage-Plan, den Sie direkt adaptieren können.

Checkliste: Die ersten 30 Tage

Checkliste: Tage 31–60

Checkliste: Tage 61–90

Wenn Sie diesen 90-Tage-Plan seriös umsetzen, haben Sie keinen „perfekten“ Datenhaushalt – aber Sie haben einen funktionierenden Kern, auf dem Sie weiter aufbauen können. Vor allem aber haben Sie erste Silos aufgebrochen, Verantwortlichkeiten geklärt und begonnen, Entscheidungsprozesse systematisch an Daten zu koppeln.

Entscheidend ist nicht, wie modern Ihre Technologie ist, sondern wie konsequent Ihre Organisation bereit ist, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden: individuelle Excellisten, unklare Definitionen, Machtspiele um Informationsvorsprung. Wer diese Muster aktiv angeht, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil – nicht, weil er „mehr“ Daten hat, sondern weil er sie besser nutzt.

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