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Kennzahlensysteme im controlling: welche kpis wirklich entscheidend sind und wie sie strategische ziele abbilden

Kennzahlensysteme im controlling: welche kpis wirklich entscheidend sind und wie sie strategische ziele abbilden

Kennzahlensysteme im controlling: welche kpis wirklich entscheidend sind und wie sie strategische ziele abbilden

Viele Controlling-Abteilungen ertrinken in Kennzahlen – aber steuern das Unternehmen trotzdem eher “auf Sicht”. Das Problem ist selten ein Mangel an Daten, sondern ein Mangel an Klarheit: Welche KPIs sind wirklich entscheidend? Und wie hängen sie mit den strategischen Zielen zusammen?

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie aus einem Zahlenfriedhof ein schlankes, wirksames Kennzahlensystem machen, das Ihre Strategie abbildet und tägliche Entscheidungen in Vertrieb, Produktion, Service und Verwaltung unterstützt. Mit Beispielen aus der Praxis von mittelständischen Unternehmen und konkreten Checklisten, die Sie direkt übernehmen können.

Warum viele Kennzahlensysteme in der Praxis scheitern

In einem Kundenprojekt (B2B-Zulieferer, 250 Mitarbeiter) fand ich im ersten Workshop über 80 “relevante Kennzahlen”. Jede Abteilung hatte ihre eigenen Reports, Excel-Listen und PowerPoint-Auswertungen. Ergebnis:

Typische Symptome solcher “Kennzahlensammlungen”:

Die Folge: Das Management entscheidet weiter aus dem Bauch heraus – die Zahlen dienen primär zur Rechtfertigung im Nachgang, nicht zur Steuerung im Voraus.

Ein gutes Kennzahlensystem macht genau das Gegenteil: Es schafft Fokus, übersetzt Strategie in messbare Größen und ist so schlank, dass es im Alltag tatsächlich genutzt wird.

Vom Zahlensalat zum Steuerungsinstrument: Was ein gutes Kennzahlensystem leistet

Unter einem Kennzahlensystem verstehe ich eine geordnete, logisch verknüpfte Menge von KPIs, die:

Ein solches System muss nicht kompliziert sein. In vielen mittelständischen Unternehmen reichen:

Worauf es ankommt: Jede einzelne Kennzahl hat eine klare Rolle im Gesamtbild. Und jeder Verantwortliche weiß, wie sein Tagesgeschäft auf diese Kennzahlen einzahlt.

Top-KPIs im Controlling: Was wirklich entscheidend ist

Welche KPIs “die richtigen” sind, hängt von Ihrem Geschäftsmodell ab. Trotzdem gibt es Kennzahlen-Kategorien, die in nahezu jedem Unternehmen zentral sind. Ich beschränke mich hier bewusst auf wenige, dafür wirkungsstarke Größen.

1. Ergebnis- und Rentabilitätskennzahlen

Sie zeigen, ob sich das Geschäft wirtschaftlich lohnt – absolut und relativ.

Praxis-Tipp: In einem Maschinenbauer (Umsatz 40 Mio. €) haben wir die Berichterstattung von “Umsatz je Produktlinie” auf “Deckungsbeitrag je Produktlinie” umgestellt. Ergebnis: Eine Produktlinie mit hohem Umsatz, aber geringer DB-Marge wurde zurückgefahren, dafür wurden margenstarke Nischenprodukte ausgebaut. Innerhalb von 18 Monaten stieg die EBIT-Marge von 5,8 % auf 8,9 % – bei nur 3 % Umsatzwachstum.

2. Liquidität und Cashflow

Gewinn ist wichtig – Überleben sichert der Cashflow. Gerade im Mittelstand werden zahlungskräftige Unternehmen selten insolvent, auch wenn sie mal ein schlechtes Ergebnisjahr haben. Umgekehrt können wachstumsstarke Firmen an der Liquidität scheitern.

Gerade in Krisen zeigt sich: Wer sein Working Capital im Griff hat, hat Handlungsspielräume.

3. Wachstums- und Vertriebskennzahlen

Umsatzwachstum allein ist zu grob. Entscheidend ist, wie Sie wachsen und welche Qualität das Wachstum hat.

In einem B2B-Dienstleister führte allein die systematische Messung der Konversionsraten je Vertriebsphase zu einer Fokussierung auf die aussichtsreichsten Branchen – die Trefferquote stieg, die Vertriebskosten pro gewonnenem Kunden sanken um 22 %.

4. Effizienz- und Prozesskennzahlen

Sie zeigen, wie gut Ihre Leistungserbringung funktioniert – in Produktion, Service oder Administration.

5. Risiko- und Frühwarnkennzahlen

Jede Strategie ist mit Risiken verbunden. Ein wirksames Kennzahlensystem blendet diese nicht aus, sondern macht sie sichtbar.

Je nach Branche kommen weitere spezifische KPIs hinzu. Wichtig ist: Beschränken Sie sich auf die wirkungsstärksten Hebel – und verknüpfen Sie sie sauber mit Ihren strategischen Zielen.

Strategische Ziele sauber in KPIs übersetzen

Die meisten Unternehmen haben eine Strategie – oft in Form von Schlagworten wie “Wachstum”, “Innovation”, “Kundenorientierung”. Die Kunst besteht darin, daraus messbare Ziele zu machen.

Ein einfaches Vorgehen, das sich in der Praxis bewährt hat:

Sie müssen dafür kein komplexes Balanced-Scorecard-Projekt aufsetzen. Eine einfache Tabelle mit Spalten für “Strategisches Ziel – Werttreiber – KPI – Zielwert – Verantwortlicher – Maßnahmen” reicht oft völlig aus – wenn Sie sie konsequent nutzen.

Praxisbeispiel: Mittelständler auf dem Weg zum wirksamen Kennzahlensystem

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein technischer Großhändler (Umsatz 60 Mio. €, 180 Mitarbeiter) klagte über stagnierende Ergebnisse trotz ordentlicher Umsatzzuwächse. Das Management hatte monatliche Berichte mit über 50 Seiten – trotzdem konnte niemand klar sagen, warum die Marge erodierte.

Vorgehen in 4 Schritten:

Entscheidend war nicht die “perfekte” Kennzahlendefinition, sondern der Mut, konsequent zu fokussieren und das System im Alltag zu leben.

Schritt-für-Schritt-Vorgehen zur Einführung

Wenn Sie Ihr Kennzahlensystem überarbeiten oder neu aufbauen wollen, empfehle ich folgende pragmatische Vorgehensweise:

Wichtig: Binden Sie frühzeitig die Fachbereiche ein. Ein Kennzahlensystem, das “im Controlling” entwickelt wurde und dann Top-down ausgerollt wird, scheitert in der Praxis häufig an Akzeptanz und Datenqualität.

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

In vielen Projekten wiederholen sich dieselben Muster. Wenn Sie diese Fehler vermeiden, sind Sie bereits einen großen Schritt weiter:

Kontrolle und Weiterentwicklung: Aus KPIs echtes Management machen

Ein Kennzahlensystem ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Steuerungsinstrument, das mit dem Unternehmen mitwachsen muss. Drei praktische Punkte, damit aus Ihren KPIs gelebtes Management wird:

Wenn Kennzahlen vom Vorstand bis in die operative Ebene verstanden und genutzt werden, entsteht genau das, was viele Strategiepapiere versprechen, aber selten liefern: eine Organisation, die aus Zahlen echte Entscheidungen macht – und damit Ihre Strategie Schritt für Schritt in Ergebnisse übersetzt.

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