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Liquiditätsplanung im unsicheren marktumfeld: instrumente und best practices für robuste finanzsteuerung

Liquiditätsplanung im unsicheren marktumfeld: instrumente und best practices für robuste finanzsteuerung

Liquiditätsplanung im unsicheren marktumfeld: instrumente und best practices für robuste finanzsteuerung

Unsichere Märkte, volatile Nachfrage, Lieferengpässe, steigende Zinsen – viele Geschäftsführer spüren es inzwischen wöchentlich auf dem Kontoauszug: Die Zeit der „Liquidität aus dem Bauch heraus“ ist vorbei. Wer seine Zahlungsfähigkeit nicht aktiv steuert, wird von Ereignissen gesteuert. Und das ist selten gut für ein Unternehmen.

Warum Liquiditätsplanung im aktuellen Marktumfeld überlebenswichtig ist

Liquidität war schon immer wichtig. Im aktuellen Marktumfeld ist sie strategisch. Drei Entwicklungen verschärfen den Druck:

In dieser Situation reicht es nicht, einmal im Jahr einen Finanzplan für die Bank zu erstellen. Sie brauchen eine robuste, rollierende Liquiditätsplanung, die drei Ziele erfüllt:

Die gute Nachricht: Dafür braucht es keine teure Software oder ein Controlling-Team mit fünf Köpfen. Ein pragmatisches Set an Instrumenten reicht oft aus – wenn es konsequent genutzt wird.

Die häufigsten Fehler in der Liquiditätssteuerung von KMU

In Projekten mit mittelständischen Unternehmen sehe ich immer wieder dieselben Muster. Drei typische Fehler, die Ihre Liquidität unnötig gefährden:

Wenn Sie sich hier wiedererkennen: Das ist normal, aber nicht harmlos. Der erste Schritt zu einer robusten Liquiditätssteuerung ist, diese Lücken offen anzusprechen – intern wie extern.

Die drei Ebenen einer robusten Liquiditätsplanung

Praxisbewährt ist ein dreistufiges Modell, das ich in vielen Projekten eingeführt habe:

Diese Ebenen bauen aufeinander auf. Fangen Sie pragmatisch an, aber denken Sie die Skalierung gleich mit.

Ebene 1: Liquiditätsstatus – Was ist heute wirklich verfügbar?

Der Liquiditätsstatus beantwortet eine scheinbar einfache Frage: Wie viel Geld steht uns heute zur Verfügung – inklusive Kontokorrentlinien und kurzfristig realisierbarer Reserven?

Ein einfaches Format, das sich in der Praxis bewährt hat:

Ergebnis ist eine Kennzahl, die ich gerne als „Manövrierfähigkeit“ bezeichne: Wieviel frei verfügbare Liquidität steht für operative Entscheidungen zur Verfügung?

Best Practice in unsicheren Zeiten:

Ebene 2: 13-Wochen-Liquiditätsvorschau – der operative Radar

Die 13-Wochen-Planung ist das zentrale Instrument, wenn Märkte unsicher sind. Warum 13 Wochen? Weil dieser Horizont kurz genug ist, um relativ zuverlässig zu planen – und lang genug, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Die Struktur ist einfach:

Der Schlüssel zur Qualität liegt in der Herleitung der Werte:

In der Praxis arbeite ich mit einem einfachen Raster:

Wichtig: Planen Sie nicht auf den Cent genau. Entscheidend sind Größenordnungen, Zeitpunkte und Trends.

Ebene 3: Integrierte Finanzplanung – Ergebnis, Bilanz, Liquidität verknüpfen

Die integrierte Planung verknüpft GuV, Bilanz und Liquiditätsrechnung über 12–24 Monate. Ziel ist nicht nur, die Zahlungsfähigkeit zu sichern, sondern auch zu verstehen:

Für viele KMU reicht ein schlankes Modell in Excel aus, das folgende Elemente enthält:

Wesentlich ist, dass dieses Modell nicht zum „Black Box Controlling“ verkommt. Der Geschäftsführer muss die Hebel verstehen – und die Effekte von Entscheidungen selbst nachvollziehen können.

Szenarien und Sensitivitäten: Was passiert, wenn…?

Unsichere Märkte bedeuten: Ihre Planung wird falsch sein. Die Frage ist nur, in welche Richtung und wie stark. Deshalb gehören Szenarien und Sensitivitätsanalysen zu jeder robusten Liquiditätssteuerung.

Drei Szenarien haben sich bewährt:

Für jeden Fall betrachten Sie drei Fragen:

Zusätzlich empfehle ich eine einfache Sensitivitätsanalyse:

So entstehen keine „PowerPoint-Szenarien“, sondern konkrete Entscheidungsgrundlagen.

Praxisfall: Wie ein Maschinenbauer 6 Monate Zeit gewonnen hat

Ein mittelständischer Maschinenbauer (Umsatz ca. 35 Mio. €, 180 MA) stand 2023 vor einem Problem: Mehrere Großprojekte verzögerten sich, Material war teurer geworden, die Kontokorrentlinie lief regelmäßig am Limit.

Ausgangslage:

Vorgehen im Projekt (3 Monate):

Ergebnisse nach 6 Monaten:

Der wichtigste Effekt war nicht nur die verbesserte Liquidität, sondern die Steuerbarkeit: Die Geschäftsleitung wusste, welche Stellschrauben welchen Effekt haben.

Working Capital als Liquiditätshebel: Drei schnelle Ansatzpunkte

Oft liegen die größten Liquiditätsreserven in der Bilanz – insbesondere im Working Capital. Drei Bereiche sollten Sie systematisch prüfen:

Jede Reduktion des Working Capital um 5–10 % kann spürbar Liquidität freisetzen – ohne eine einzige Rechnung mehr zu schreiben.

Reporting & Governance: Wie oft, an wen, in welcher Form?

Ein gutes System zur Liquiditätssteuerung steht und fällt mit der Disziplin im Alltag. Drei Elemente haben sich bewährt:

Das Ziel ist nicht ein „Reporting-Monster“, sondern ein schlankes Steuerungsinstrument, das zur Entscheidungsroutine gehört.

Checkliste: Wo steht Ihre Liquiditätsplanung heute?

Nutzen Sie die folgende Checkliste als Schnelltest. Jede Frage mit „Ja“ gibt einen Punkt.

Auswertung (grob):

Konkreter Einstieg: Wie Sie in 4 Wochen deutlich robuster werden

Wenn Sie Ihre Liquiditätsplanung verbessern wollen, starten Sie pragmatisch mit einem 4-Wochen-Programm:

Nach diesen vier Wochen haben Sie kein perfektes System – aber einen funktionierenden Radar. Und dieser Radar ist im aktuellen Marktumfeld oft der Unterschied zwischen „überrumpelt werden“ und „handlungsfähig bleiben“.

Liquiditätsplanung ist keine rein finanztechnische Übung, sondern ein Führungsinstrument. Wer seine Zahlungsfähigkeit aktiv steuert, gewinnt Entscheidungsfreiheit: in Verhandlungen mit Kunden und Lieferanten, im Gespräch mit Banken – und im eigenen Kopf.

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