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Social-selling im b2b: wie vertrieb heute wirklich funktioniert und klassische kaltakquise ablöst

Social-selling im b2b: wie vertrieb heute wirklich funktioniert und klassische kaltakquise ablöst

Social-selling im b2b: wie vertrieb heute wirklich funktioniert und klassische kaltakquise ablöst

Wenn Sie im B2B-Vertrieb unterwegs sind, kennen Sie das Problem: Die klassische Kaltakquise funktioniert immer schlechter. Entscheider sind kaum erreichbar, niemand nimmt unbekannte Nummern ab, und selbst wenn Sie durchkommen, hat Ihr Gegenüber weder Zeit noch Lust auf einen „Pitch aus dem Nichts“. Parallel dazu kaufen Ihre Wunschkunden längst anders ein: Sie informieren sich online, lesen Fachartikel, folgen Experten auf LinkedIn – und treffen 60–70 % ihrer Kaufentscheidung, bevor sie mit einem Verkäufer sprechen.

Genau hier setzt Social Selling an. Und nein: Social Selling ist nicht „irgendwas mit Posten auf LinkedIn“, sondern ein systematischer Vertriebsansatz, der klassische Kaltakquise nicht nur ergänzt, sondern in vielen B2B-Situationen schrittweise ersetzt. In diesem Beitrag zeige ich, wie moderner B2B-Vertrieb heute wirklich funktioniert, welche Rolle Social Selling darin spielt und wie Sie das Ganze praxisnah in Ihrem Unternehmen aufsetzen – ohne Marketing-Buzzwords und ohne dass Ihre Vertriebsmannschaft zum Influencer werden muss.

Warum klassische Kaltakquise an ihre Grenzen stößt

Kaltakquise hatte über Jahrzehnte ihren festen Platz im B2B: Listen kaufen, durchtelefonieren, Termine vereinbaren. Heute stoßen Sie dabei auf drei harte Realitäten:

Ich habe in einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen erlebt, wie die klassische Telesales-Quote innerhalb von drei Jahren von ca. 8 % „Terminquote pro geführtem Gespräch“ auf unter 3 % gefallen ist. Trotz besserer Skripte und mehr Schulungen. Der Markt hatte sich verändert – unser Ansatz nicht.

Genau diese Lücke schließt Social Selling: Sie schaffen zuerst Sichtbarkeit und Vertrauen, bevor Sie in den direkten Dialog gehen. Aus dem „kalten“ Kontakt wird ein „vorgewärmter“ Kontakt – oder sogar ein Inbound-Lead.

Was Social Selling im B2B wirklich bedeutet (und was nicht)

Unter Social Selling verstehe ich: den systematischen Einsatz von Business-Netzwerken (primär LinkedIn, ggf. XING), um relevante Entscheider gezielt zu identifizieren, zu erreichen, zu entwickeln und zum richtigen Zeitpunkt in einen Sales-Prozess zu überführen.

Wichtig ist, was Social Selling nicht ist:

Stattdessen geht es um vier Bausteine:

Social Selling ist damit kein Ersatz für Vertrieb, sondern ein moderner Türöffner – nur eben nicht über das Telefonbuch, sondern über digitale Signale, Inhalte und Beziehungen.

Mini-Fallbeispiel: Wie ein B2B-Spezialist die Kaltakquise halbiert hat

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein IT-Dienstleister (ca. 80 Mitarbeiter, Fokus auf Cloud-Lösungen für Industrie und Services) setzte komplett auf Kaltakquise und Messen. Die Zahlen sahen vor dem Projekt so aus:

Wir haben Social Selling zunächst nur mit zwei Vertriebsmitarbeitern pilotiert. Das Vorgehen:

Nach 6 Monaten waren die Ergebnisse messbar:

Spannend: Die Abschlussquote bei Leads, die über Social Selling entstanden, lag um rund 30 % höher als bei klassischer Kaltakquise. Warum? Der Vertriebsmitarbeiter war dem Kunden bereits ein Begriff, und die Themen waren im Vorfeld klarer vorbereitet.

Die 4 zentralen Vorteile von Social Selling im B2B

Wenn Sie Social Selling sauber aufsetzen, profitieren Sie gleich mehrfach:

Und: Social Selling ist kein Entweder-Oder zu klassischen Methoden. Viele meiner Kunden fahren am besten mit einem hybriden Ansatz: Social Selling als primärer Türöffner, kombiniert mit hochqualifizierten, gut vorbereiteten Telefon- oder Video-Gesprächen.

Schritt-für-Schritt: So etablieren Sie Social Selling im Vertrieb

Statt direkt „alle auf LinkedIn“ zu schicken, empfehle ich ein strukturiertes Vorgehen in fünf Schritten.

Schritt 1: Klare Zielkunden-Definition (ohne das geht nichts)

Social Selling ohne präzise Zielgruppendefinition führt zu netten Gesprächen – aber nicht zu Umsatz. Klären Sie deshalb zuerst:

Ein einfaches Arbeitsblatt (Kundenprofil) pro Hauptzielgruppe hilft enorm. Felder könnten z. B. sein: Branche, Unternehmensgröße, Rolle, Hauptziele, größte Risiken, typische Einwände.

Schritt 2: Vertriebsprofile auf LinkedIn schärfen

Die meisten LinkedIn-Profile sehen aus wie Lebensläufe. Für Social Selling brauchen Sie Kundennutzen-Profile. Prüfen Sie jedes Vertriebsprofil anhand dieser Fragen:

Ein Beispiel für eine optimierte Kopfzeile:

Statt: „Key Account Manager bei XYZ GmbH“

Besser: „Wir helfen Industrieunternehmen, ihre Wartungskosten um 20–30 % zu senken – durch vorausschauende Instandhaltung und IoT-Lösungen.“

Ergänzen Sie das Profil mit:

Schritt 3: Relevante Inhalte entwickeln (ohne Marketingabteilung)

Viele B2B-Unternehmen blockieren an diesem Punkt: „Wir haben keine Ressourcen für Content.“ Die gute Nachricht: Sie brauchen keine Hochglanz-Whitepaper, sondern konkrete, brauchbare Praxis-Insights.

Starten Sie mit diesen einfachen Formaten:

Richten Sie sich an Ihrer Zielgruppe aus: Was würde meinem idealen Kunden konkret helfen, seinen Alltag ein Stück besser zu machen oder ein Risiko zu reduzieren?

Schritt 4: Systematische Netzwerkerweiterung

Ein gutes Profil ohne relevantes Netzwerk bringt wenig. Deshalb gehört zur täglichen Routine Ihrer Vertriebsmitarbeiter:

Ein praxisbewährter Richtwert: 20–30 qualifizierte Kontaktanfragen pro Tag pro aktivem Social-Selling-Vertriebler. Bei konservativ angenommenen 30–40 % Annahmequote wachsen Profile so um mehrere hundert relevante Entscheider im Monat.

Beispiel für eine kurze, funktionierende Kontaktanfrage:

„Guten Tag Herr Müller, ich arbeite mit Produktionsleitern aus der Automobilzulieferindustrie zusammen, die ihre Rüstzeiten deutlich reduzieren wollen. Da Sie einen ähnlichen Bereich verantworten, vernetze ich mich gern mit Ihnen. Viele Grüße, …“

Schritt 5: Vom Kontakt zum Gespräch – ohne plumpen Pitch

Die größte Fehlerquelle im Social Selling ist der zu frühe Pitch. Viele schicken direkt nach der Kontaktannahme eine Nachricht im Stil von „Darf ich Ihnen unsere Lösung vorstellen?“. Das wirkt wie digitale Kaltakquise – nur auf einem anderen Kanal.

Besser: Ein Dreischritt, der sich in der Praxis bewährt hat:

Beispiel für eine Nachricht der Stufe 3:

„Herr Müller, wir haben aktuell einige Projekte in der Automobilzulieferindustrie, in denen wir Rüstzeiten in der Fertigung um 10–15 % senken konnten – ohne große IT-Projekte. Wenn es für Sie relevant ist, können wir gern in einem 20-minütigen Gespräch prüfen, ob die Ansätze auf Ihre Situation passen würden. Wäre das grundsätzlich interessant für Sie?“

Checkliste: Ist Ihr Vertrieb bereit für Social Selling?

Bevor Sie intern „Social Selling“ ausrufen, prüfen Sie mit dieser kompakten Checkliste Ihren Startpunkt:

Wenn Sie mehr als zwei dieser Fragen mit „nein“ beantworten, starten Sie nicht mit „mehr Aktivität“, sondern erst mit Struktur.

Typische Stolperfallen – und wie Sie sie vermeiden

In Projekten sehe ich immer wieder dieselben Fehler, die Social Selling ineffektiv oder unbeliebt machen:

Was funktioniert stattdessen?

Wie Sie Social Selling mit bestehender Kaltakquise kombinieren

Niemand erwartet, dass Sie Ihre Telefone morgen abklemmen. In vielen Branchen funktioniert ein gut gemachter Anruf nach wie vor – aber besser, wenn er nicht mehr ganz kalt ist. Drei praktische Hybrid-Ansätze:

Das reduziert Ablehnung am Telefon deutlich und erhöht gleichzeitig die Qualität der Gespräche, weil der Kontext bereits vorhanden ist.

Messbare Kennzahlen für professionelles Social Selling

Damit Social Selling nicht zum „Nice-to-have“ verkommt, braucht es klare KPIs. Einige praxisnahe Kennzahlen:

Wichtig: Vergleichen Sie nicht in den ersten Wochen Äpfel mit Birnen. Social Selling braucht eine Anlaufphase von 3–6 Monaten. Entscheidend ist der Trend über die Zeit und der Vergleich von Abschlussquoten zwischen Social-Selling-Leads und kalt akquirierten Leads.

Wie Sie jetzt konkret starten – in 30 Tagen

Zum Abschluss ein pragmatischer 30-Tage-Plan, den ich in ähnlicher Form bereits mehrfach in mittelständischen Vertriebsorganisationen umgesetzt habe:

Wenn Sie diesen 30-Tage-Plan konsequent durchziehen, werden Sie nicht über Nacht die komplette Kaltakquise ersetzen. Aber Sie legen den Grundstein für einen modernen, digital gestützten B2B-Vertrieb, in dem Social Selling ein fester Bestandteil ist – und Ihre Vertriebsmannschaft dort sichtbar wird, wo Ihre Kunden heute ihre Entscheidungen vorbereiten: auf den Business-Plattformen.

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