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Working capital optimieren: versteckte liquiditätsreserven im unternehmen heben und finanzierungsspielräume erweitern

Working capital optimieren: versteckte liquiditätsreserven im unternehmen heben und finanzierungsspielräume erweitern

Working capital optimieren: versteckte liquiditätsreserven im unternehmen heben und finanzierungsspielräume erweitern

Warum Working Capital heute über Ihre Handlungsfreiheit entscheidet

Viele Geschäftsführer und Inhaber spüren es jeden Tag: Die Erträge sind ordentlich, aber auf dem Konto herrscht permanent Ebbe. Die Bank fragt nach zusätzlichen Sicherheiten, Investitionen werden geschoben, und jede größere Zahlung eines Kunden wird zur Zitterpartie.

In den meisten Fällen liegt das Problem nicht am Geschäftsmodell – sondern am gebundenen Kapital im Tagesgeschäft: im Working Capital.

Die gute Nachricht: In fast jedem Unternehmen schlummern hier stille Liquiditätsreserven. Und das ohne neues Fremdkapital, ohne komplizierte Finanzprodukte und ohne riskante Tricks. Es geht um saubere Hausaufgaben im Umgang mit Lagerbeständen, Forderungen und Verbindlichkeiten.

In diesem Beitrag zeige ich praxisnah, wie Sie Ihr Working Capital optimieren, Liquidität freisetzen und gleichzeitig Ihre Finanzierungsspielräume gegenüber der Bank verbessern. Mit Beispielen aus mittelständischen Unternehmen, einfachen Kennzahlen und konkreten Checklisten für den Alltag.

Was genau ist Working Capital – und warum ist es so wichtig?

Working Capital (Netto-Umlaufvermögen) ist vereinfacht gesagt das Kapital, das Sie brauchen, um Ihr laufendes Geschäft zu finanzieren. Formel:

Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Typisch gehören dazu:

Je höher Ihr Working Capital, desto mehr Geld ist im laufenden Geschäft gebunden. Das kann sinnvoll sein – aber häufig ist es Ausdruck von Ineffizienzen.

Ein praxisnaher Indikator ist die Cash Conversion Cycle (CCC), also die Zeitspanne zwischen dem Geldabfluss für Material/Leistungen und dem Geldeingang vom Kunden. Sie setzt sich zusammen aus:

Formel:

CCC = DIO + DSO – DPO

Je kürzer diese Zeitspanne, desto weniger Kapital müssen Sie vorfinanzieren – und desto entspannter Ihr Konto.

Typische Problemfelder im Mittelstand

In meinen Projekten mit mittelständischen Unternehmen tauchen immer wieder die gleichen drei Ursachen für überhöhtes Working Capital auf:

Ein konkretes Beispiel: Ein B2B-Zulieferer (15 Mio. € Umsatz) hatte im Lager knapp 4 Mio. € gebunden – mehr als drei Monatsumsätze. Gleichzeitig wurde über fehlende Liquidität für eine dringend benötigte Maschine geklagt. Nach sechs Monaten konsequenter Working-Capital-Arbeit waren 800.000 € Liquidität freigesetzt – ohne zusätzliche Kreditlinie.

Quick-Check: Wo steht Ihr Unternehmen?

Bevor Sie Maßnahmen planen, brauchen Sie eine ehrliche Standortbestimmung. Starten Sie mit einem einfachen Quick-Check – idealerweise auf Basis der letzten 12 Monate.

1. Kennzahlen ermitteln

2. Einordnung

3. Potenzial grob abschätzen

Allein diese Grobrechnung öffnet vielen Geschäftsführern die Augen – oft steckt ein 6-stelliger Betrag an Liquidität im Working Capital, ohne dass es jemand klar vor Augen hat.

Hebel 1: Lagerbestände gezielt reduzieren – ohne Lieferfähigkeit zu gefährden

„Wir brauchen das auf Lager, sonst können wir nicht liefern.“ Diesen Satz höre ich häufig. In Wahrheit sind es meist drei verschiedene Kategorien von Beständen:

Ihr Ziel: Die Komfort- und Fehlbestände systematisch abbauen und die notwendigen Bestände datenbasiert steuern.

Praxisbeispiel: Ein technischer Großhändler (Umsatz 25 Mio. €) hatte 9.000 Artikel im Sortiment. Eine ABC-Analyse zeigte: 12 % der Artikel machten 78 % des Umsatzes – der Rest drehte sich nur sehr langsam. Durch Sortimentbereinigung, klare Mindest- und Maximalbestände und bessere Abstimmung mit Schlüsselkunden wurden die Lagerbestände um 25 % reduziert – bei gleichbleibender Lieferfähigkeit.

Konkrete Ansatzpunkte:

Hebel 2: Forderungen schneller in Geld verwandeln

Viele Unternehmen sind bei der Neukundengewinnung hochprofessionell – und beim Forderungsmanagement erstaunlich nachlässig. Dabei ist jeder Tag, den eine Rechnung offen ist, ein zinsloser Kredit an Ihren Kunden.

Typische Bremsklötze:

Praxisfall: Ein Serviceunternehmen im B2B-Bereich hatte eine DSO von 49 Tagen, obwohl die Zahlungsziele offiziell 30 Tage vorsahen. Analyse: 18 % der Rechnungen waren fehlerhaft oder unvollständig, das erste Mahnschreiben ging durchschnittlich erst nach 17 Tagen Überfälligkeit raus. Nach der Einführung eines klaren Prozesses, Standardvorlagen und einer internen „Zahlungseingang-Weekly“ sank die DSO innerhalb von 9 Monaten auf 36 Tage. Liquiditätseffekt: knapp 400.000 €.

Ansatzpunkte im Forderungsmanagement:

Hebel 3: Lieferantenverbindlichkeiten intelligent nutzen – ohne Reputation zu riskieren

Auf der anderen Seite des Zahlungsstroms stehen Ihre Lieferanten. Hier geht es nicht darum, diese auszupressen – aber darum, Zahlungsziele systematisch als Finanzierungsquelle zu nutzen.

Grundprinzip: Sie sollten im Schnitt später zahlen, als Ihre Kunden zahlen. Wenn das dauerhaft umgekehrt ist, finanzieren Sie Ihr Geschäft aus eigener Tasche vor.

Typische Potenziale:

Ein Beispiel: 2 % Skonto bei Zahlung in 10 Tagen statt 30 Tagen entsprechen einem Jahreszins von ca. 36 %. Das lohnt sich nur, wenn Ihre alternative Finanzierung teurer wäre – was bei klassischen Kontokorrentlinien selten der Fall ist.

Konkrete Hebel bei Lieferanten:

Mehr Finanzierungsspielraum durch besseres Working Capital

Optimiertes Working Capital hat zwei direkte Effekte auf Ihre Finanzierungsspielräume:

Banken schauen längst nicht mehr nur auf Gewinn und Eigenkapitalquote, sondern auch auf die Qualität des Working-Capital-Managements. Ein Unternehmen, das seine DSO, DIO und DPO im Griff hat, gilt als besser steuerbar und krisenfester.

Wie Sie das Thema mit Ihrer Bank spielen können:

Ein Mandant nutzte z.B. den nachweisbaren Abbau seiner DSO um 7 Tage, um mit der Hausbank eine Erweiterung der Avallinie zu erreichen – ohne zusätzliche Sicherheiten. Das ermöglichte ihm, größere Projekte anzunehmen, die zuvor an Bürgschaftsgrenzen scheiterten.

Umsetzung in der Praxis: Ihr 90-Tage-Plan

Working-Capital-Optimierung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Managementprozess. Aber: Die ersten 90 Tage entscheiden darüber, ob das Thema ernst genommen wird – oder wieder in der Schublade verschwindet.

Phase 1 (Wochen 1–3): Transparenz schaffen

Phase 2 (Wochen 4–6): Ziele und Quick Wins definieren

Phase 3 (Wochen 7–12): Umsetzung starten und Erfolge sichtbar machen

Checklisten für den Alltag

Zum Abschluss drei kompakte Checklisten, die Sie direkt verwenden oder anpassen können.

Checkliste Lager

Checkliste Forderungen

Checkliste Verbindlichkeiten

Wenn Sie diese Checklisten ernsthaft durchgehen und die größten Lücken konsequent schließen, werden Sie in den meisten Fällen in wenigen Monaten spürbare Effekte auf Ihrem Konto sehen – und Ihre Bank wird es ebenfalls bemerken.

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