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Innovationskultur etablieren: wie mitarbeitende zu mitunternehmern werden und ideen konsequent umgesetzt werden

Innovationskultur etablieren: wie mitarbeitende zu mitunternehmern werden und ideen konsequent umgesetzt werden

Innovationskultur etablieren: wie mitarbeitende zu mitunternehmern werden und ideen konsequent umgesetzt werden

Warum Ihre Innovationskultur vermutlich schwächer ist, als Sie denken

Fast jedes Unternehmen behauptet heute, „innovativ“ zu sein. Es gibt Workshops, bunte Post-its, vielleicht sogar ein „Innovation Lab“. Und trotzdem: Neue Ideen versanden in Meetings, gute Ansätze bleiben im „Pilotmodus“ stecken, und die wirklich wichtigen Veränderungen kommen zu spät.

Wenn ich mit Geschäftsführern und Bereichsleitern spreche, höre ich immer wieder dieselbe Klage:

„Unsere Leute denken zu wenig unternehmerisch.“
„Es kommen zwar Ideen, aber kaum etwas wird wirklich umgesetzt.“
„Am Ende bleibt das Tagesgeschäft wichtiger als Innovation.“

Das ist kein Zufall. In vielen Unternehmen fehlen drei Dinge:

In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie eine pragmatische Innovationskultur etablieren, die nicht auf Hochglanz-Folien basiert, sondern auf konsequent umgesetzten Ideen. Mit Beispielen aus der Praxis, einfachen Modellen und einer Checkliste, die Sie direkt in Ihrem Unternehmen anwenden können.

Was bedeutet Innovationskultur – ganz praktisch?

Bevor wir über Maßnahmen sprechen, klären wir den Begriff. Mit „Innovationskultur“ meine ich nicht Kicker-Tische, flache Hierarchien oder „Fail fast“-Poster an der Wand.

Innovationskultur bedeutet im Alltag:

Oder anders formuliert: Aus mitdenkenden Mitarbeitenden werden Mitunternehmer, die handeln, als wäre es ihr eigenes Geld, ihre eigenen Kunden, ihre eigene Firma.

Das hat wenig mit „Kreativität“ im romantischen Sinn zu tun – und sehr viel mit Disziplin, Klarheit und Konsequenz.

Vom Mitarbeitenden zum Mitunternehmer: Das entscheidende Mindset

Bevor Strukturen wirken, braucht es ein bestimmtes Mindset. Mitunternehmer denken und handeln anders als klassische Mitarbeitende.

Ein Mitunternehmer im Unternehmen…

Die gute Nachricht: Dieses Mindset ist lernbar. Voraussetzung ist, dass Sie drei Tabus im Unternehmen auflösen:

Vier Bausteine einer wirksamen Innovationskultur

In der Praxis hat sich ein Modell mit vier Bausteinen bewährt. Wenn Sie diese systematisch angehen, steigt die Chance massiv, dass Ihre Innovationen nicht in Schubladen verschwinden.

Baustein 1: Klare Stoßrichtungen statt „Innovation ins Blaue“

Der größte Fehler: „Bringt mir eure Ideen!“ – ohne Fokus. Ergebnis: eine bunte Ideensammlung, aber wenig Relevantes für die strategischen Ziele.

Stattdessen definieren Sie 3–5 klare Innovationsfelder, z. B.:

Gute Innovationsfelder sind:

Praxis-Tipp: Kommunizieren Sie die Innovationsfelder wiederholt in allen Bereichen. Hängen Sie sie nicht nur im Intranet auf, sondern besprechen Sie sie in Team-Meetings, Mitarbeitergesprächen und Bereichsklausuren.

Baustein 2: Ein robuster, schlanker Ideenprozess

Viele Unternehmen haben entweder gar keinen strukturierten Ideenprozess – oder einen so bürokratischen, dass niemand mehr Lust hat, ihn zu nutzen.

Was Sie brauchen, ist ein einfacher, transparenter Prozess mit eindeutigen Schritten und Entscheidungspunkten. Ein Beispiel aus einem B2B-Unternehmen mit 250 Mitarbeitenden:

Wichtig: Kommunizieren Sie alle Entscheidungen transparent. Wer Ideen einbringt und nie eine Rückmeldung bekommt, ist beim zweiten Mal nicht mehr dabei.

Baustein 3: Anreize und Verantwortung für Mitunternehmer schaffen

Ohne passende Anreize bleibt „Mitunternehmertum“ ein schönes Wort. Die meisten Anreizsysteme in Unternehmen fördern allerdings vor allem Risikovermeidung und das Abarbeiten des Tagesgeschäfts.

Sie können auf drei Ebenen ansetzen:

Entscheidend ist, dass Sie Verantwortung klar zuordnen: Jede relevante Idee braucht einen „Idea Owner“ – eine Person, die das Thema treibt, Entscheidungen vorbereitet und Ergebnisse berichtet.

Baustein 4: Fähigkeiten für Innovation systematisch aufbauen

Selbst motivierte Mitunternehmer kommen ohne Fähigkeiten schnell an Grenzen. In den meisten Unternehmen fehlen vor allem vier praktische Kompetenzen:

Das muss kein aufwendiges Akademieprogramm werden. Oft reichen kurze, praxisnahe Formate:

Praxisfall: Wie ein mittelständischer Zulieferer seine Mitarbeitenden zu Mitunternehmern machte

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein Zulieferer aus dem Automotive-Umfeld (ca. 180 Mitarbeitende) stand vor drei Herausforderungen:

Die Geschäftsführung wollte „mehr Innovation“, aber im Alltag dominierte das operative Feuerlöschen. So sind wir vorgegangen.

Schritt 1: Innovationsfelder definieren
Gemeinsam mit dem Führungskreis wurden drei Felder festgelegt:

Diese Felder wurden in allen Bereichen vorgestellt, inklusive konkreter Beispiele, was darunter fällt – und was nicht.

Schritt 2: Einfachen Ideenprozess einführen
Wir haben ein einseitiges Ideen-Canvas eingeführt, das jede Idee beschreiben musste. Dafür wurde ein fester Review-Termin alle vier Wochen etabliert, in dem ein bereichsübergreifendes Team alle neuen Ideen in 60 Minuten durchging.

Entscheidungen wurden direkt kommuniziert – inklusive kurzer Begründung. Abgelehnte Ideen bekamen einen Hinweis, was fehlen würde, damit sie später noch einmal eingereicht werden könnten.

Schritt 3: Zeitbudget und Owner definieren
Für freigegebene Quick-Tests durften die Projektteams bis zu 10 % ihrer Arbeitszeit nutzen – befristet auf maximal acht Wochen. Jede Idee hatte einen klaren „Owner“, meist aus dem Fachbereich, nicht aus der Geschäftsführung.

Schritt 4: Erste Quick-Wins sichtbar machen
Innerhalb von sechs Monaten entstanden zwölf Quick-Tests. Drei Beispiele:

Von den zwölf Ansätzen wurden fünf nach der Testphase gestoppt, vier überarbeitet und drei in die Skalierung überführt. Eine Serviceinnovation brachte im ersten Jahr einen Zusatzumsatz von rund 180.000 Euro bei überschaubarer Investition.

Wichtig: Alle Ergebnisse – auch die „gescheiterten“ Tests – wurden im Unternehmen kommuniziert. Die Botschaft: „Wir meinen es ernst mit Innovation – und wir akzeptieren, dass nicht alles funktioniert.“

Nach etwa einem Jahr änderten sich die Gespräche in den Abteilungen spürbar. Statt nur über Probleme zu klagen, kamen Vorschläge mit klaren Nutzenargumenten. Mitarbeitende sprachen von „unserem neuen Service“, nicht vom „Projekt der Geschäftsführung“.

Checkliste: Wie weit ist Ihre Innovationskultur wirklich?

Wenn Sie prüfen wollen, wo Sie stehen, können Sie folgende Checkliste nutzen. Beantworten Sie jede Frage ehrlich mit „ja“, „teilweise“ oder „nein“.

Strategische Klarheit

Strukturierter Ideenprozess

Anreize und Verantwortung

Fähigkeiten und Mindset

Wenn Sie bei mehreren Punkten mit „nein“ oder „teilweise“ geantwortet haben, wissen Sie, wo Sie ansetzen können.

Konkrete nächste Schritte für Geschäftsführer und Bereichsleiter

Zum Abschluss noch ein pragmatischer Vorschlag, wie Sie in den nächsten 90 Tagen vorgehen können.

Eine echte Innovationskultur entsteht nicht über Nacht, sondern durch viele kleine, konsequente Schritte. Wenn Sie es schaffen, dass Ihre Mitarbeitenden Probleme sehen, Chancen erkennen und Ideen eigenverantwortlich vorantreiben, sind sie auf dem besten Weg – von Mitarbeitenden zu echten Mitunternehmern.

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